Presse

Hier findet ihr eine Auswahl an aktuellen Pressestimmen zu  meinen Auftritten.


Artikel, Auenkurier 

vom 03.01. 2024

von K. Walter

„Die Leiden des jungen Werther“

Am 17. November hob sich im Kaminzimmer der Vorhang für das Theaterstück „Die Leiden des jungen Werther“ und lockte viele Theaterfreunde an. Goethes Bestseller von 1774 stand auf dem Programm und der Lützschenaer Schauspieler David Leubner auf der Bühne.
„Theater im Herzen“ — das ist David Leubner und er hat dem interessierten Publikum aus vollem Herzen seine Interpretation des fast 250 Jahre alten Briefromans geboten. Leubner hat alle Rollen selbst gespielt, die angebetete Lotte, seinen Widersacher Albert, den Vertrauten Wilhelm und den Werther. Wir erlebten
ein packendes Wechselspiel von Tragik & Leichtigkeit, von Komik und Melancholie, für das sich die Gäste mit langanhaltendem Beifall bedankten.
Schon Goethe hat gesagt „Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend“ und diese Vorstellung hat bleibende Eindrücke hinterlassen. In diesem Sinne hat sich auch das begeisterte Publikum verabschiedet. 

Artikel, Sachsen Sonntag vom 17.06.2023

von Gina Apitz 

„Ich bin manchmal selbst überrascht, was auf der Bühne passiert”

Der Leipziger Schauspieler David Leubner über seine Solo-Stücke, die Liebe zum Theater und seine Leidenschaft fürs Wandern

Manchmal hat Schauspieler David Leubner einen Aussetzer auf der Bühne. Doch solche Pannen bemerke das Publikum fast nie, sagt er. Foto: Dirk Knofe

Leipzig. Zuerst betritt der Pilot mit seiner Fliegerbrille die Bühne, später kommt der Fuchs mit Hut, Schlips und Fell dazu und schließlich die Schlange, das Schaf und weitere. Es ist ein ständiger Wechsel der Accessoires, der Tonlagen, der Mimik. Das Bühnenstück „Der kleine Prinz” zählt 14 verschiedene Rollen. David Leubner mimt sie alle selbst. „Das ist machbar”, sagt der Schauspieler und lächelt. „Man muss sich für jede Rolle ein Weltbild entwickeln, eine Stimme, eine Körperhaltung, Wünsche und Ziele.” Dann sei für das Publikum komplett ersichtlich, wer gerade spricht. Der kleine Prinz als Ein-Mann-Stück? David Leubner kann das.

Mit drei eigenen Produktionen steht der 33-Jährige derzeit ganz allein auf verschiedenen Bühnen der Stadt – unter anderem im DachTheater, im Neuen Schauspiel, im Budde-Haus, aber auch im Göschenhaus in Grimma. Neben dem Prinzen mimt er derzeit noch den unglücklich verliebten Werther und spielt die irische Tragikomödie „Kleingeld”. Einen Favoriten unter den dreien hat er nicht. „Ich mache jedes Stück zu meinem Lieblingsstück”, sagt
Leubner. Und: Die Solo-Stücke werden ständig weiterentwickelt. „Ich bin manchmal selbst überrascht, was auf der Bühne passiert.”

Lacher aus dem Publikum beim Auftritt


Leubner ist immer wieder gespannt, wie das Publikum auf seinen Auftritt reagiert. Da öffnet Werther sein Herz, spricht über seine verzweifelte Liebe zu Lotte und plötzlich lacht jemand aus dem Publikum. „Von der Rolle gibt es dann auch mal einen bösen Blick”, sagt Leubner. „Mich als Schauspieler freut’s, denn es heißt: Ich hab das Publikum.” Dass der gebürtige Leipziger meistens solo auftritt, hat auch ganz praktische Gründe: In der freien Szene werden Proben nicht bezahlt. Der Schauspieler lebt nur von den Eintrittsgeldern. Bei einer Vorführung bleibt für einen allein eben mehr übrig.

Neue Stücke entwickelt  Leubner gemeinsam mit dem Regisseur Bernd Guhr, den er noch aus der Schauspielschule kennt. Mit ihm diskutiert er den Text, den er auf die Bühne bringen will, die so genannte Strichfassung. Ein roter Faden müsse diese durchziehen, die Arbeit daran sei „nicht einfach”, gibt der Schauspieler zu. „Um die Lieblingsstellen wird gerungen.” Doch am Ende sei er es, der auf der Bühne steht und sich „mit dem Text wohl fühlen muss“.

Und wonach wählt er die Stücke aus? Klar, der Stoff muss ihn, den Regisseur und ein Publikum interessieren, die Rechte sollten frei sein, sonst muss Geld an den Verlag gezahlt werden. Bei einem Solostück sei es außerdem wichtig, dass nur eine Rolle die Handlung vorantreibt und etwas verhandelt. Leubner will zudem immer möglichst nah am Originaltext bleiben. Und der ist vor allem bei Klassikern nicht immer leicht verständlich. Goethes „Die Leiden des jungen Werther” sei oft mit Vorbehalten konfrontiert und als dröger Schulstoff verschrien, sagt Leubner. Sein Anspruch besteht darin, die Themen dem Publikum wieder näherzubringen, denn er findet: „Da steckt nicht nur Leid und Traurigkeit drin, sondern auch sehr viel Hoffnung.”

Freundschaft, Liebe, die Suche nach seinem Platz im Leben – es sind oft die großen Themen, die der Schauspieler auf der Bühne verhandelt. Die Suche nach Antworten auf nahezu philosophische Fragen sind es, die ihn letztlich zum Theater führen. David Leubner wächst in Leipzig auf, besucht eine Waldorfschule. In der 8. und 12. Klasse spielte er dort bereits ein bisschen Theater, mimt Kaspar Hauser – „die Rolle hatte fast keinen Text“. Leubner sagt rückblickend: „Da hatte ich schon Berührungspunkte mit dem Theater.” Doch es steht noch längst nicht fest, dass die Schauspielerei sein Weg werden würde. Die Eltern sind keine großen Theatergänger. Leubners Mutter malt und töpfert gern, der Vater – beruflich Feuerwehrmann – spielt Flöte. Nach seinem Schulabschluss sucht Leubner nach einem Beruf, bei dem er mit Menschen zusammenarbeiten und gleichzeitig mit ihnen über die großen Fragen des Lebens sprechen kann. „Was ist Liebe?” „Wie wird jemand zum Mörder?” „Was ist richtig und falsch?”, zählt er auf. Die Lehre zum Medizintechniker bricht er ab. Die Pausengespräche sind ihm nicht tiefgründig genug. Stattdessen klopft er bei der Leipziger Theaterfabrik an, fragt, ob er mal vorbeischauen kann – für eine Art Praktikum.

Als ein Mitglied des Ensembles krank wird, springt Leubner ein und wird schließlich fester Teil der Theaterfabrik. Es ist ein Umfeld, in dem er sich wohl fühlt. „Am Theater kommen verschiedene Generationen zusammen – das hat mich fasziniert.” 2015 geht das Haus pleite. Leubner beschließt, sich an einer Schauspielschule zu bewerben. Er will besser werden, auch sprachlich.








Ausbildung an der Theaterakademie

Die Theaterakademie Sachsen, die in Delitzsch sitzt, nimmt ihn an. Im Unterricht lernen die Schauspielschüler Ballett, Gesang und Fechten und bekommen Sprechunterricht. Leubner sagt, es war „eine spannende Zeit“. Jedes Wort einer Szene wird auseinandergenommen. Und: „Man lernt, seinen Körper einzusetzen.” Im Stück Woyzeck spielt er den Doktor. Die Geschichte hat ihn nachhaltig beeinflusst. Er merkt: „Manche Menschen haben vielleicht keine Wahl, wenn sie zum Mörder werden.” Es ist für Leubner eine Zeit der persönlichen Weiterentwicklung, er gewinnt neue Blickwinkel. Nach dem Ende der dreijährigen Ausbildung werden die Absolventen der Akademie drei Monate an den Landesbühnen Sachsen engagiert. Die Kooperation soll den Start in den Beruf als Schauspieler erleichtern. Leubner hat seither immer wieder Gastspiele an verschiedenen Häusern.

Drei Jahre lang betreut er in Leipzig-Wahren eine Theatergruppe, die aus Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren besteht. Die Truppe bringt jeweils zu Weihnachten ein neues Stück auf die Bühne. Leubner leitet die jungen Leute an, schreibt den Text, führt Regie und kümmert sich um das Bühnenbild. Ein Herzensprojekt, das in der Corona-Krise sein Ende findet. Die Pandemie-Jahre sind für Leubner – wie für viele Kulturschaffende – eine harte Zeit. Viele seiner Verträge mit Theatern werden aufgelöst oder verschoben. Leubner lebt so sparsam wie er kann. „Was man nicht ausgibt, muss man nicht verdienen”, lautet sein Credo in dieser Zeit.

Und er nutzt die nahezu auftrittslosen Jahre, um seine aktuellen Stücke vorzubereiten. Derzeit versucht Leubner, an den Landesbühnen wieder Fuß zu fassen. Erst kürzlich stellte er sich in Döbeln und beim Ensemble Gera-Altenburg vor. Sich immer wieder ins Gespräch bringen und Eigenwerbung machen – das gehört zum Leben als freier Schauspieler dazu. Und David Leubner zählt zu der umtriebigen Sorte. Er versucht, Kontakt zu halten mit den verschiedenen Häusern, hängt Plakate zu seinen Stücken auf, verteilt hunderte Flyer und schreibt einen Newsletter an seine treuen Fans. Sein Engagement in eigener Sache zahlt sich aus: „Inzwischen kennen mich viele Theater”, sagt er. „Überall, wo ich gespielt habe, durfte ich nochmal kommen.”

Auch wenn das Publikum mitunter überschaubar ist. Bei einem Auftritt im soziokulturellen Zentrum Mühlstraße spielte Leubner vor gerade mal zehn Leuten. Manchmal bekommt er aber auch eine unerwartet große Resonanz. Als er an der Kirchenruine Wachau die Premiere des Werthers auf die Bühne bringt, spielt er vor 100 Gästen – sein bisher größter Erfolg.

Inzwischen kann Leubner von der Schauspielerei leben, auch wenn er nach wie vor sparsam ist. Mit seiner Freundin lebt er in einer gemeinsamen Wohnung in Lützschena. „Da kann ich ungestört meine Texte im Grünen lernen.” Zu seinen Auftritten fährt er stets mit dem Fahrrad – bei Wind und Wetter. Fest steht: Leubner ist ein Draußen-Mensch.

Langstrecken-Wandern als Leidenschaft

Nach einem Schuljahr in Großbritannien wandert er von Wales aus in sieben Monaten zurück nach Hause, da ist er 16 Jahre alt. Leubner war auch schon sechs Wochen lang auf Kuba wandern, kürzlich auf Mauritius und zuletzt lief er auf dem Jakobsweg von Leipzig nach Eisenach. Als er auf der Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz einen Auftritt hat, sucht er sich danach in den Wäldern eine Bofe – das ist ein Felsvorsprung, unter dem man schlafen kann – und übernachtet dort. „Am nächsten Tag bin ich wieder zur Bühne zurückgewandert”, erzählt er, „und hatte wieder einen Auftritt“.

Dschungelbuch ist auf der Agenda

Welches Stück der Schauspieler als nächstes auf die Bühne bringt, ist noch offen. Er liest gerade das Dschungelbuch und findet, es gebe dort tolle Themen: „Freundschaft, Zugehörigkeit, Mut.” Schon in der Planung ist dagegen das Stück „Norway.today”, das den Selbstmordversuch eines jungen Mädchens thematisiert. Dafür versucht Leubner aktuell Fördermittel zu bekommen. Beim Leipziger Theater Adolf Südknecht ist er jetzt für ein Jahr engagiert worden. Seine Karriere stehe noch ganz am Anfang, sagt er, aber: „Es wächst.”


Und das liegt nicht zuletzt an der Rastlosigkeit des jungen Mannes. Neulich hat er am Leipziger Hauptbahnhof einen leeren Glaskasten entdeckt.
Leubner rief beim Management an und schlug vor: „Ich räume die Ecke auf.” Im Gegenzug erlaubte der Bahnhof, dass er dort ein Kunstprojekt installiert, das Lust aufs Theater macht. Aus rotem Stoff nähte Leubner einen Vorhang, dahinter sind typische Theater-Requisiten zu sehen, die auf seine Stücke verweisen. Wer bei einem kleinen Quiz mitmacht, kann sogar Freikarten gewinnen – und den Schauspieler dann mal in Aktion erleben.

David Leubner zeigt das Stück „Der kleine Prinz“ am 25. Juni ab 16 Uhr in der Leipziger Auwaldstation.

Mehr Infos unter: www.theater-im-herzen.jimdosite.com

Interview mit dem Magazin Ahoi vom 03.11.20222

Nicht gleich und sofort instinktiv herum zu poltern und angetriggert das Gegenüber abzuwerten und zu entmenschlichen, bedeutet Zivilisation. David Leubner arbeitet als Schauspieler genau hier an der Reißnaht, möchte Geschichten spielen, die berühren und die Möglichkeit zur Selbstreflexion herstellen. Gerade spielt er das Stück „Der kleine Prinz“. Allein. Alle 14 Rollen. Ein Erlebnis. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihm:

Ahoi: Guten Tag, David Leubner. Am 16. November 2022 bist Du der kleine Prinz in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Leipzig in der Bernhard-Göring-Straße 18-20. Zur besten Zeit 15:00 Uhr wirst Du alle Rollen dieses traumhaften Buches sein. Das ist ja auch ganz großes Bühnenbeackern. Warum aber alleine??? Kein Bock, das Rampenlicht zu teilen?

Ich mag es, mich der Herausforderung auf der Bühne zu stellen, daher habe ich mit meinem Regisseur Bernd Guhr bereits in meiner Zeit an der Theaterakademie Solo-Stücke erarbeitet. Das Stück “Der kleine Prinz” schließt an diese an. Oft im Leben kommt es vor, dass man sich einsam oder auch allein gelassen fühlt. Mit meinen Stücken möchte ich zeigen, was meine Rollen leisten und wie vielfältig sie sein können. Gerade bei dem Stück "Der kleine Prinz” kann man so verschiedene Ebenen des Theaters aufzeigen und es vermischen sich Elemente der Fantasie mit der Wirklichkeit, sodass ich mir das Rampenlicht mit bis zu 14 Rollen auf der Bühne teile. Natürlich spiele ich genauso gerne im Ensemble.

Ahoi: Der kleine Prinz ist hochphilosophisch. Gerade in Zeiten wie den Unsrigen, in denen Kriegsgebrüll unübertönbar scheint, ist der Text wichtig. Und die Kirchen sollten ja eigentlich auch zum Frieden aufrufen. Wie siehst Du das? Ist Theater – und hier gerade „Der kleine Prinz“ - in der Lage, Menschen in der Härte der Welt zu erreichen?

In dem Stück “Der kleine Prinz” geht es unter anderem um Freundschaft, Liebe und Toleranz. Es geht um Themen, die immer wichtig sind und die wir aufgrund des Alltags und des aktuellen Geschehens auch mal vergessen. Ich merke in den Gesprächen nach meinen Auftritten, dass das Theaterstück, so wie ich es spiele, einige Menschen bewegt. Natürlich war das in den letzten zwei Jahren, mit wenigen Spielmöglichkeiten, nicht immer einfach, aber umso mehr freue ich mich jetzt zu spüren, dass wieder mehr Menschen die Möglichkeit haben zu meinen Stücken kommen. 

Ahoi: Der Kleine Prinz kommt aber auch noch in anderen Locations zur Wirkung. Wo und wann denn?

Im Neuen Schauspiel Leipzig landet “Der kleine Prinz” am 26.11.22 um 16.30 Uhr und 20 Uhr. Zudem gastiere ich mit dem Stück am 29.12.22 um 17.32 Uhr im Beyerhaus Leipzig. 

 

Ahoi: Ich hörte, dass es mit Dir in allen Rollen auch noch „Die Leiden des jungen Werther“ geben wird. Wo und wann und warum gerade Werther?

Ich habe das Stück mit Bernd Guhr erarbeitet, weil es für mich reizvoll war, ein Drama zu wählen, bei dem ich beim Lesen immer wieder neue Facetten entdeckt habe. Sicher ist der Briefroman vielen auch etwas unliebsam aus ihrer Schulzeit in Erinnerung geblieben. Ich freue mich, wenn ich in der Bühnenfassung Menschen einen Anreiz geben kann, sich mit dem Werk erneut auseinanderzusetzen und sie mit mir gemeinsam das Wechselspiel aus Tragik und Leichtigkeit erleben. Es ist ein zeitloses Stück, da es zeigt, wie wichtig und stark die Liebe sein kann und wie gefährlich es ist, wenn diese Liebe in der Gesellschaft keinen Platz hat. 

Für das kommende Jahr sind Termine geplant, die zeitnah im Spielplan auf meiner Website zu finden sind https://theater-im-herzen.jimdosite.com/spielplan/

Ahoi: Und dieses Krimidinner, von dem ich erfuhr? Das kann ich mir nun wirklich nicht als Solostück vorstellen. Wie handhabst Du das denn? 

Jedes neue Theaterstück ist ein Abenteuer und ich stecke gerade mitten in den Proben für das Krimidinner “Kein Mörder- Was nun?!'', das ich ebenfalls als Solo-Stück in Zusammenarbeit mit der Autorin Mariann Gáborfi erarbeitet habe. Dabei haben wir es uns nicht einfach gemacht und zwei Jahre an der Fassung gearbeitet. Die Geschichte wird dabei aus drei Perspektiven vorangetrieben und mit einem humorvollen Blick in die Abgründe dreier Seelen erzählt. Umrahmt wird das Ganze mit einem famosen 3-Gänge-Menü. Ich freue mich sehr auf die Premiere am 27.11.22 um 18 Uhr, sowie auf die weiteren drei Adventssonntage im Beyerhaus Leipzig. 

Ahoi: Du wurdest in der Theaterakademie Sachsen ausgebildet – war das das Haus in Leipzig-Leutzsch? Kannst Du uns bitte etwas zu dieser Ausbildung erzählen? Das war ja damals ein recht abgeschlossener Raum. Mit faszinierenden Protagonisten …

Meinen Abschluss zum Darsteller für Dramatische Bühnenkunst habe ich 2018 an der Theaterakademie Sachsen in Delitzsch gemacht. Das war eine sehr intensive Zeit für mich, in der man lernt, seine Grenzen auszuloten und manchmal auch zu überschreiten. Mit meinen Kommilitonen tauchte ich über das Schauspiel, den Tanz und den Gesang in die Materie des jeweiligen Stückes ein und wir haben nächtelang in der Schule geprobt und philosophiert.  

Ahoi: Gibt es ein Traumstück, welches Du unbedingt noch machen möchtest? Und wenn ja, welches? 

Ein Traumstück habe ich in der Form nicht, denn ich lege meine Träume und meine Kraft in die Erarbeitung und Proben meiner Stücke. Dabei liebe ich es, mir die Impulse aus meinem Umfeld und der Literatur zu holen. Die Stücke wähle ich meist mit meinem Regisseur Bernd Guhr aus. Die Auswahl gestaltet sich als Findungsphase, in der wir uns gegenseitig Stücke vorschlagen, diese gemeinsam lesen und philosophieren, bis ein Werk aus der Auswahl heraussticht.

Ahoi: Deine Homepage heißt „Theater im Herzen“. Warum?

Ich finde, jeder sollte ein bisschen Theater im Herzen haben, denn das bedeutet für mich, dass man nicht gleich verurteilt und sich besinnt, dass eine Situation, die man glaubt zu verstehen, auch ganz anders sein kann. Ich stecke meine Leidenschaft, sowie meine gesamte Zeit in meinen Beruf und das kommt für mich über diesen Namen zum Ausdruck.

Den Link zum Interview findet ihr auch hier.

Artikel, Badische Zeitung vom 19.09.2022

von Karin Steinebrunner

Eine Sternstunde der Schauspielkunst 


"Der Schauspieler David Leubner spielt Antoine de Saint-Exupérys "Der kleine Prinz" und begeistert bei seinem Gastspiel im Dachsberger Ortsteil Urberg in allen Rollen. 

Der "Kleine Prinz" als Ein-Mann-Stück? Aber klar doch, vorausgesetzt es wird von einem so beweglichen, so flexibel von Charakter zu Charakter springenden, dabei jeder Person Leben einhauchenden und darüber hinaus jede Möglichkeit zur Improvisation nutzenden Künstler wie David Leubner gespielt. So geschehen derzeit an mehreren Orten auf dem Hotzenwald und spontan auch im Garten des "Alten Engel" in Urberg. 

Der heute 31-jährige Leipziger Profischauspieler David Leubner machte nach Schulabschluss und einem Jahr in Neuseeland eine dreimonatige Deutschlandtournee mit dem Theatertotal Bochum, kam danach zur Theaterfabrik Leipzig – und blieb beim Theaterberuf. Er absolvierte sein Schauspielstudium an der Sächsischen Theaterakademie und arbeitet inzwischen zeitweise bei den Landesbühnen Sachsen. Daneben hat er mit seinem Regisseur Bernd Guhr mehrere Ein-Mann-Stücke auf die Bühne gebracht. 

Zur Erinnerung: Ein Pilot, mit Motorschaden gestrandet in der Wüste, hat noch knapp acht Tage Zeit, um seine Maschine wieder in Gang zu bringen. Da taucht plötzlich ein Kind auf und verlangt von ihm, ein Schaf gezeichnet zu bekommen. Der Pilot versucht den Jungen abzuwimmeln, der aber ist hartnäckig, und so erfährt der Pilot nach und nach die Geschichte dieses merkwürdigen Jungen, der sich als Prinz von einem fernen Planeten entpuppt.

In seiner etwa 75-minütigen Vorstellung verkörpert Leubner alle 14 Figuren selbst, angefangen vom anfangs derb nassforschen Piloten bis zum offenbar flohgeplagten Fuchs. Kindlich naiv und rührend wissbegierig dagegen der kleine Prinz, der in seiner ganzen Haltung sofort zu erkennen ist, auch ohne das genial einfache Hilfsmittel des immer gleich um den Hals geschwungenen gelben Schals. Der gelbe Schal übrigens wird im Laufe der Handlung auch zusammengerollt zum Trinkgefäß und am Ende gar zum Leichentuch, das der Pilot über den Körper des kleinen Prinzen breitet. 
 

Sehr glaubhaft gestaltet Leubner auch seinen dreibeinigen Klapphocker zu einem festsitzenden Bolzen an seiner Maschine um, nachdem er geradezu akrobatisch seinen Flugzeugabsturz nachgestellt hat. Immer wieder geht er auf einzelne Zuschauer zu, spricht sie an, lässt etwa eine Zuschauerin prüfen, ob sie in seiner gezeichneten Kiste das Schaf sehen kann, das der kleine Prinz in deren Innerem zu erblicken vermag. Leubner erschafft berührende Momente, etwa bei der Enttäuschung des kleinen Prinzen angesichts eines ganzen Gartens voller Rosen, oder bei der Zähmung des Fuchses, vor allem aber am Ende. 

Er bringt die Zuschauer aber auch immer wieder zum Schmunzeln oder gar zum Lachen, etwa wenn die eitle Rose des kleinen Prinzen deutlich sächselt, oder spontan, als ihm das Glockenläuten der benachbarten Kirche gerade dann in die Rede fällt, als er erzählt, "die Blume wurde nicht fertig damit, aus der Knospe eine Blüte zu bilden" – ein herrlich passender Moment zum Innehalten. 

Die Begegnungen des Prinzen mit den Bewohnern der einzelnen Planeten leitet Leubner jeweils mit einem Klang seiner Mundharmonika ein, wobei er immer wieder kurz von der Bühne kurz in den Garten tritt, um sie als neuer Charakter erneut zu betreten. Als König kommandiert er die Zuschauer mit Stentorstimme, genießt divenhaft die Bewunderung des Publikums als Eitler, stolpert als Trinker durch die Gegend und hinkt alt und hüstelnd an seiner Klapphocker-Gehhilfe als Geograph. Mit der Schlange zischt und züngelt er, und sehr anrührend ist am Ende das tonlos wiederholte "ich schwieg" des Piloten angesichts der Erklärungsversuche des kleinen Prinzen, warum er sich von der Schlange beißen lassen wird, um nach Hause zurückzukehren".